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Querung von Kanal und Biotop mit dem GRUNDODRILL 18N

08.04.19 - Der Kummerower See im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte liegt zwischen den Städten Malchin, Dargun und Demmin, etwa 50 km nordwestlich von Neubrandenburg und rund 70 km südlich von Stralsund. Mit einer Fläche von 33 km2, einer Länge von 11 km und einer Breite von 3 km ist er der viertgrößte See in Mecklenburg-Vorpommern. Gemeinsam mit dem südwestlich gelegenen Malchiner See bildet er das Herzstück des Naturparks „Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See“. Ökologisch betrachtet ist der Kummerower See zusammen mit der Peene und ihren Nebenflüssen ein schützenswertes Kleinod: So ist der See für einheimische und nordische Vogelarten ein viel genutztes, wichtiges Sammel- und Rastgewässer; Feuchtwiesen, ausgedehnte Schilfgürtel, eine große Moränenlandschaft und nicht zuletzt die 37 m hohe Steilküste an der Ostseite bilden zusammen ein großzügiges, ökologisch wertvolles Areal.

Reif für den Neubau

Vor rund 60 Jahren wurde von Dargun nach Malchin entlang der Westseite des Kummerower Sees eine Ferngasleitung (DN 300) gebaut. Sie ist für einen maximalen Druck von 16 bar ausgelegt und wird mit 7 bar genutzt. Nach ununterbrochenem Betrieb ist sie nun in die Jahre gekommen und wird seit 2016 Abschnitt für Abschnitt erneuert, um auch in Zukunft die Versorgung der Bevölkerung mit Erdgas zu sichern. Die Erneuerung der Leitung auf einer partiell angepassten Trasse bedeutet für die beiden Malchiner Ortsteile Salem und Gorschendorf nun auch den Anschluss an das Erdgasnetz. Verantwortlich für Betrieb, Instandhaltung und Neubau zeichnet heute die E.DIS AG, einer der größten regionalen Energiedienstleister in Deutschland mit Hauptsitz in Fürstenwalde/Spree. Im Sommer 2018 stand der Neubau des 11,5 km langen Leitungsabschnitts von Neukalen über Gartshof, Salem, Gorschendorf nach Pisede bis zum dortigen Bahndamm auf der Agenda.     
 

Planung für die Umwelt

Mit der Planung für den Neubau dieses Leitungsabschnittes mit Stahlrohren DN 300 PN 16 mit Kunststoffumhüllung PE-HD nach DIN 30670 wurde die ECB Geo Projekt GmbH in Berlin beauftragt. Zum Auftrag gehörte auch die streckenweise Mitverlegung von Kabelschutzrohren aus PE-HD DA 160 mm zur Aufnahme von Mittelspannungskabeln sowie die Mitverlegung von PE-HD-Schutzrohren DA 50 mm und DA 110 mm zur späteren Aufnahme von LWL-Kabeln über die gesamte Erdgastrasse.
 
Große Aufmerksamkeit in der Planungsphase von neu zu bauenden Leitungsabschnitten wird den Dükerungen von Gewässern, großen Kanälen, Bundesstraßen und Bahnstrecken gewidmet. Hier ging es um die Querung eines vorhandenen Regenwasserkanals DN 500 und der anschließenden Querung eines Biotops mit den strengen Auflagen der Unteren Wasserbehörde! Abgesehen von der Querung eines Biotops war natürlich schon im Vorfeld für das Arbeiten in einem insgesamt ökologisch sensiblen Gebiet inmitten des Naturparks „Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See“ eine möglichst schonende Vorgehensweise und Methode gefragt. So stand schnell fest: Für die Querung von Regenwasserkanal und Biotop kam nur eine grabenlose Verlegung der Erdgasleitung und der Schutzrohre im HDD-Spülbohrverfahren in Frage.Nachgewiesenermaßen werden mit diesem grabenlosen Verfahren der CO2-Ausstoß und die Eingriffe in die Natur/Umwelt auf ein Minimum reduziert und Wege, Straßen, Schienenstränge, Gewässer und Fremdleitungen wirtschaftlich, sicher und schnell unterquert. Genau das Richtige für Erdgasleitung und Kabelschutzrohre, wofür die Ingenieure jeweils eine Bohrung von 151 m Länge entsprechend der beiden zu unterquerenden Objekte planten.
 

Entscheidungen fürs Equipment

Die im HDD-Spülbohrverfahren sehr erfahrene Komesker Anlagenbau GmbH aus dem nahe gelegenen Tützpatz – gut ausgestattet mit Bohranlagen aus dem Hause TRACTO-TECHNIK – wurde mit den Bauausführungen beauftragt. Ihnen schien der Einsatz der GRUNDODRILL 18N-Anlage (ohne Felsbohrantrieb) besonders geeignet, da u.a. die Bohrung in den Bodenklassen 3-5 mit hohem Lehmanteil ideal im Bereich der zu erwartenden Zugkräfte lag. Die größte Herausforderung bestand darin, bei der Unterquerung des Kanals (1,5 m unterhalb der Sohle) den Biegeradius des Stahlrohres nicht zu überschreiten! Nachdem dann die Zusammensetzung der Bohrspülung – 4.000 l Tank befüllt mit 100 kg Bentonit W Plus und 15 kg Zusatz PhrykoTon – und die erforderlichen Bohrwerk- und Aufweitwerkzeuge festgelegt waren, konnten die Bohrarbeiten starten.
 

Bohrung für die Schutzrohre

Auf der vorgesehenen Trasse wurde zuerst die Pilotbohrung mit einem Durchmesser von 120 mm für den Einzug der PE-HD-Schutzrohre DA 160 mm zur Aufnahme der Mittelspannungskabel und der PE-HD-Schutzrohre DA 50 mm zur Aufnahme der LWL-Kabel im Bündel ausgeführt. Für die GRUNDODRILL 18N-Anlage ein Kinderspiel in kurzer Zeit. Für eine sichere und nachhaltige Verlegung der PE-HD-Schutzrohre folgten zwei Aufweitungsstufen mit einem Medium Soil Reamer auf DA 270 mm, respektive auf DA 330 mm. Mit der zweiten Aufweitung erfolgte sukzessive der Einzug der Schutzrohre in den Rohrstrang. Die E.DIS AG als Auftraggeber hatte aus Sicherheitsgründen um eine zusätzliche Verlegung von Schutzrohren mit einem Durchmesser von DA 110 mm statt DA 50 mm für die LWL-Kabel ersucht, für den Fall, dass die Bohrung länger als 130 m wird. Deshalb wurden in diese Bohrung zusätzlich anstelle von DA 50 mm-Schutzrohren DA 110 mm-Schutzrohre für die LWL-Kabel eingezogen.
 

Bohrung für die Erdgasleitung

Nun ging es an die zweite Bohrung, und zwar die für die Ferngasleitung. Und hier stand ja noch die Herausforderung im Raum, den Biegeradius der Stahlrohre nicht zu überschreiten. Zu diesem Zweck waren Steuerungen bei der Pilotbohrung nur mit minimalen Abweichungen möglich. Dank der neuesten Ortungstechnik von DCI mit Neigungsangaben in 0,1 Prozent-Schritten war das fast ein Kinderspiel für die erfahren Bohrcrew um Enrico Hildebrandt. Diese Pilotbohrung wurde, wie die Pilotbohrung für die Kabelschutzrohre, mit einem Durchmesser von 120 mm ausgeführt und verlief auch erwartungsgemäß genauso unproblematisch. Es folgte eine erste Aufweitstufe auf DA 360 mm. Zum Ausgleich des höchst sensiblen Biegeradius‘ der einzuziehenden Stahlrohre wählte Enrico Hildebrandt einen zweiten Aufweitvorgang etwas größer als Faktor 1,3 (DA 450 mm). Ohne Probleme, auch für den Biegeradius, wurden die Stahlrohre bei dieser zweiten Aufweitung in den Bohrstrang eingezogen. Die benötigte Zugkraft betrug 50 kN, der Spülungsbedarf lag in dem extrem lehmigen Boden bei 210 l/Min.
 

Zeit für die Umwelt

Drunter weg, statt mitten durch, war gerade in diesem sensiblen Bau-Umfeld die einzig sinnvolle Technik zur Querung eines Kanals und eines Biotops. Die reine Verlegedauer sowohl bei den Kabelschutzrohren als auch bei den Stahlrohren für die Gasleitung betrug schnelle 50 m/h – eine unschlagbare Zeit, v.a. im Vergleich mit der offenen Bauweise. Und nichts wurde gestört oder zerstört, schon gar kein Biotop.
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