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Kabelverlegung in Schleimünde /Ostsee mit dem GRUNDODRILL 15XP

Wenn es darum geht, Leitungen in ökologisch hochsensibler Umgebung zu verlegen, dann ist dies häufig eine prädestinierte Aufgabe für die Horizontalbohrtechnik. So war es auch bei der Neuverkabelung des Leuchtturmes in Schleimünde. Die Anreise zur Baustelle erfolgt mit dem Schiff. Denn auf dem Landweg ist Schleimünde mit Verkehrsmitteln im Normalfall nicht zu erreichen. Die im Kreis Schleswig-Flensburg gelegene Halbinsel trennt die Schlei von der Ostsee. Das 112 ha große Areal ist überwiegend Natur- und Vogelschutzgebiet und darf nicht betreten werden, öffentliche Straßen gibt es nicht. Der Nothafen an der Spitze der Halbinsel wird in den Sommermonaten gern von Seglern und Sportbooten angelaufen. Die Schifffahrt kann sich an einem 14 m hohen Leuchtturm orientieren, der im Jahr 1871 am Ende einer Mole errichtet wurde.




Neue Kabel für den Leuchtturm

„Dieser Leuchtturm musste saniert werden“, erklärt Jürgen Wilhoeft vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck, das als zuständige Bundesbehörde für die Sicherheit der Schifffahrt sowie hier für die Mole und die Seezeichen verantwortlich ist. Im Zuge der umfangreichen Arbeiten, bei denen der Leuchtturm technisch modernisiert und seine Fassade saniert wurde, sollten auch die alten Kabel erneuert werden, die das Leuchtfeuer mit
Energie und mit Daten versorgen.

Die bestehende Kabeltrasse beginnt an einem Schalthaus und verläuft über das Grundstück der „Lighthouse Foundation“. Diese Stiftung, die sich die nachhaltige Entwicklung von Meeren und Ozeanen zum Ziel gesetzt hat, hatte das ursprünglich in Bundesbesitz befindliche Areal mit den darauf befindlichen Gebäuden im Jahr 2008 in einer öffentlichen Grundstücks–auktion erworben. Lediglich das Schalthaus und die Mole verblieben in Bundesbesitz. Mit Blick auf die spätere Zugänglichkeit verlässt die neue Trasse auf kürzestem Weg das Schalthaus und verläuft unter der Ufersicherung mit einem Deckwerk aus großen Steinen hindurch auf öffentlichem Grund am Strand parallel zum Wassersaum zu einem Kabelschacht im Fuß der Mole. Von hier aus führt ein Kabelstrang zum Leuchtturm an der Molenspitze und ein weiterer zu einem Verteilerschacht am Hafen.
 
Bei der Planung war von Seiten des Wasser- und Schifffahrtsamtes darauf zu achten, dass Beeinträchtigungen der sensiblen Ökologie durch die Baumaßnahmen weitestgehend vermieden werden mussten. Um die nötigen Genehmigungen seitens der Naturschutzbehörden zu erhalten, wurde für die Kabelverlegung das grabenlose Horizontalspülbohrverfahren gewählt. Da die Brutzeit der Vögel nicht gestört werden durfte, fiel die Bauzeit in den Herbst/Winter. „Eine Zeit, in der man hier wetterbedingt eigentlich nicht bauen sollte“, so Jürgen Wilhoeft.
 

Schwierige Rahmenbedingungen

Die Baumaßnahme wurde öffentlich ausgeschrieben. Und den Zuschlag erhielt die Firma Paasch Rohrleitungsbau aus Damendorf in Schleswig-Holstein. Unter den gegebenen Randbedingungen, die Maßnahme zu kalkulieren, war das für die Bieter eine besondere Herausforderung. Der Transport von Bohranlage und Baustellenequipment durch das Naturschutzgebiet mit den dafür erforderlichen Genehmigungen, die Einschränkungen des Transportes von Gerät und Material auf der Baustelle, die spezifischen Eigenschaften des Baugrundes oder die Versorgung mit Süßwasser zum Anmischen der Bohrspülung bis hin zur Entsorgung der gebrauchten Suspension waren Faktoren, die mit Unsicherheiten behaftet und deshalb monetär schwer zu bewerten waren. Diesbezüglich hatte Paasch gegenüber den mitbietenden Wettbewerbern einen Vorteil, da die Firma vorher bereits zweimal in Schleimünde Bohrarbeiten ausgeführt hatte und deshalb die Gegebenheiten vor Ort bestens kannte.
 
Die Baustellenausrüstung wurde auf zwei Anhängern, gezogen von einem Traktor, durch das Naturschutzgebiet transportiert. Um die Flurschäden so gering wie möglich zu halten, wurde die Trasse dort, wo der Boden zu weich war, mit Bodenplatten abgedeckt. Auch vor den Bohr-LKW wurde auf dem Weg durch das Naturschutzgebiet zur Baustelle ein Traktor gespannt, um ihn sicher durch das unwegsame Gelände zu bewegen.
 
Für das Anmischen der Bohrspülung stand das Wasser aus einem Brunnen mit einer auf 1,5 Kubikmeter begrenzten Leistung pro Stunde zur Verfügung. „Deshalb haben wir auf der Baustelle Tanks vorgehalten, um so den Wasserbedarf abpuffern zu können“, erklärt Martin Paasch, Geschäftsführer bei Paasch Rohrleitungsbau.
 
Anfang Oktober konnte mit der ersten Bohrung begonnen werden. Zum Einsatz kam eine 15 t-Bohranlage von TRACTO-TECHNIK. Die Trasse führte auf einer Länge von 200 m vom Schalthaus in den Fuß der Mole. Zu verlegen waren vier Kabelschutzrohre aus PEHD mit einem Außendurchmesser von jeweils 140 mm und einer Wandstärke von 12,7 mm. Bei der Bohrung war besondere Zielgenauigkeit gefragt. Die Mole wird von zwei Natursteinwänden begrenzt. Und genau dazwischen sollte der Austrittspunkt der Bohrung liegen. Deshalb musste die Bohrung etwa 7 m tief angelegt und das Fundament der Mole in einem relativ steilen Austrittswickel unterquert werden, um die Zielgrube zu erreichen. „Das hat auch wunderbar geklappt“, so Jürgen Wilhoeft. Das Aufweiten und der Rohreinzug verliefen ebenso problemlos wie die Bohrung über 60 m von der Mole zu einem Verteilerschacht am Hafen.
 

Unliebsame Überraschung

Eine Überraschung hielt jedoch die Bohrung zum Leuchtturm bereit. Auf der Grundlage der Bestandspläne aus der Bauzeit war geplant, die 200 m bis zum Leuchtturm in der Mole zu bohren. Aus den Unterlagen war zu entnehmen, dass der Molenkern aus einem sandigen, bohrbaren Verfüllmaterial besteht. Stattdessen stieß die Firma Paasch jedoch auf grobes mit der vorhandenen Maschinentechnik nicht bohrbares Geröll. „Nachdem wir in 1,50 m Tiefe nicht voran kamen, haben wir versucht tiefer zu gehen. Aber auch noch in 6 m wurde der Boden nicht besser“, erklärt Guido Röhlich, Bauleiter bei Paasch. In Absprache mit dem Auftraggeber fiel schließlich die Entscheidung, die Leitung in der Mole in offener Bauweise zu verlegen. „Das ist zwar für uns teurer, aber unter den gegebenen Umständen nicht zu ändern“, konstatiert Jürgen Wilhoeft. Dabei wurden aus den als Oberflächenbefestigung dienenden großformatigen Betonplatten auf Vorschlag der Firma Paasch Streifen in Breite des Kabelgrabens herausgeschnitten und nach der Verlegung der Schutzrohre zur Wiederherstellung der Oberfläche wieder eingesetzt.
 

Kabeleinzug mit Wasserkraft

Für den Einzug der Kabel in die Schutzrohre hatte sich die Firma Paasch zusammen mit der Firma Bagela etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Einsatz kam ein noch nicht weit verbreitetes Verfahren, bei dem die Kabel mit Wasserkraft in die Schutzrohre eingeschwommen werden. Gegenüber dem konventionellen Einzug spart diese Variante Zeit und schont bei großen Einzugslängen das Kabel vor großen Belastungen durch Zugkräfte und Reibung. „Wir haben dieses Verfahren auf dieser Baustelle zum ersten Mal eingesetzt, und es hat bestens funktioniert“, so das Fazit von Guido Röhlich.
 
Mit Beginn des neuen Jahres war die Baustelle im Wesentlichen fertiggestellt. Es waren noch an einigen Stellen die unvermeidlich aufgetretenen Schäden an Oberflächen und Bewuchs zu renaturieren. Die Bilanz der Baumaßnahme fällt – trotz der unvorhergesehenen Probleme in der Mole – positiv aus: Der Leuchtturm Schleimünde ist mit moderner Technik fit für die nächsten Jahrzehnte, und die Natur wurde dank des verantwortungsvollen Einsatzes moderner Bauverfahren nur minimal beeinträchtigt. 

Autor: A. zu Eulenburg
Fotos: Paasch
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