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HDD-Spülbohrung im Hochmoor: Unterquerung der B 211 bei Großenmeer

Großenmeer. Ein Landwirt aus Großenmeer bei Oldenburg bemerkte als Erstes, das etwas nicht stimmte. Auf seiner landwirtschaftlichen Fläche direkt neben der B 211 bildeten sich merkwürdige Wasserpfützen, auf die er sich zunächst keinen Reim machen konnte. Doch schnell dämmerte ihm, dass möglicherweise die auf seinem Grund und Boden verlegte Trinkwassertransportleitung die Ursache sein könnte und informierte zuständigkeitshalber den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV). Der OOWV versorgt über 900.000 Einwohner im Verbandsgebiet mit Trinkwasser. Durchschnittlich gibt er 220.000 m³ pro Tag an die angeschlossenen Haushalte ab. Der Spitzenwert liegt bei über 300.000 m³.




Der Landwirt sollte Recht behalten. Der Schaden war schnell lokalisiert und lag ausgerechnet im Straßenbereich unter der B 211. Die B 211 führt zum Wesertunnel und hat ein hohes Verkehrsaufkommen, vornehmlich Schwerlastverkehr. Nach Ansicht des Rohrnetzmeisters Karsten Jüchter könnten neben den Verkehrslasten auch Frostschäden mit einhergehenden Hebungen und Setzungen die Ursache dafür sein, dass das in einem 500er Stahlschutzrohr liegende medienführende 300er PVC Rohr beschädigt wurde. Letztendlich war eine genaue Klärung nicht möglich. Wegen des unsicheren „Befundes“, kam auch eine Erneuerung nicht in Betracht.
 
Bei der Überlegung wie eine Neuverlegung unter der B 211 bewerkstelligt werden könnte,  
kam erschwerend hinzu, dass diese Gegend vom Hochmoor geprägt ist. 
 
Das Hochmoor mit einer 50 cm Deckschicht aus Kleiboden ist extrem sumpfig und durchsetzt
mit groben Fasern von schwer zersetzbarem Planzenmaterial, die ein erhöhtes Bohrrisiko für
eine HDD Spülbohrung darstellen. Deshalb wurde eine Pressbohrung bevorzugt, auch 
wegen der kürzeren Bohrstrecke mit unmittelbarem Rohranschluss im Fußbereich der erhöht 
geführten B211.
 
Zuvor wurde die Altleitung verdämmt und stillgelegt sowie eine Umlaufstrecke eingerichtet, so dass die Wasserversorgung in jedem Fall sichergestellt war. 
 
Die geplante Bohrpressung mit einem 40 t Widerlager musste jedoch wegen der mangelnden 
Tragfähigkeit des Bodens aufgegeben werden. 
 
Mit Hochdruck wurde nun die HDD Spülbohrung vorbereitet und mit der Durchführung 
das Vertragsunternehmen der  OOWV, die Firma SCHULTE-PERK aus Strücklingen, beauftragt, das vor Ort von der TRACTO-TECHNIK Niederlassung Bakum durch den Niederlassungsleiter Stefan Kruse unterstützt wurde. 
 
Das im Tief-, Kanal- , Kabelbau und Rohrleitungsbau renommierte Unternehmen beschäftigt etwa 150 Mitarbeiter und hat 4 Bohrkolonnen für die Bohranlagen Grundodrill 15 N und 
Grundodrill 15 XPT, sowie für mehrere Grundomat-Erdraketen im Einsatz.
 
Die Aufgabe bestand in der Verlegung eines Schutzrohres  PEHD 560 x 33,2 mm.
Die Rohrdimension erforderte einen flachen Biegeradius mit einer Bohrlänge von 90 m. 
Der tiefste Punkt der Bohrung lag bei 8 m. Dabei war auch der stabilisierende, hochverdichtete Sandkern im Straßen- und Bohrtrassenbereich zu berücksichtigen. 
 
Der Grundodrill 15N wurde entsprechend der Vorgaben etwa 30 m vom Straßendamm entfernt positioniert. Die Bohrspülung wurde mit 80 kg/m3 Eurogel Xtra und wegen des sauren Bodencharakters mit 0,5 kg/m3 Sodazusatz angemischt. Geologe Karsten Schwader von AMC bestätigte die absolute Unbedenklichkeit der Bohrspülung. 2 Mischanlagen sorgten für eine  kontinuierliche Bereitstellung der Bohrspülung. Die gebrauchte Spülung wurde abgesaugt und von 3 bereitstehenden Traktoren in Güllefässern zur Entsorgung in eine Deponie verbracht. 
 
„Die Pilotbohrung dauerte nur etwa 2 Stunden“, so Bohrgeräteführer Heino-Andreas Emken, der die Bohranlage seit etwa 1 Jahr bedient. 
 
Schlag auf Schlag folgten die Aufweitbohrungen:
  • die 1. Räumbohrung mit einem 360er Räumer dauerte ca.3 Stunden 
  • die 2. Räumbohrung mit einem 620er Räumer ca. 4 Stunden 
  • die 3. Räumbohrung mit einem 740er Räumer ca. 3,5 Stunden
 
Dem Grundodrill 15 N wurde mit dieser Aufgabe schon einiges zugemutet. In Bezug auf den Beanspruchungsgrad hat er alle Erwartungen weit übertroffen ohne dabei die Leistungsreserven voll auszuschöpfen. 
 
Parallel zu den Bohrarbeiten wurde das Medienrohr PE HD 355 x 32,2 mm in das bereitliegende Schutzrohr eingezogen. Das Rohreigengewicht von insgesamt 12 t sollte die Auftriebskräfte kompensieren, um eine Mantelreibung im Rohrscheitel infolge Aufschwimmens beim Einzug zu mindern. Zur weiteren Absicherung wurde das Rohr zusätzlich mit Wasser befüllt. Eine Maßnahme, die sich als richtig erwies; denn nach nur 2 Stunden war das Rohr eingezogen. 
 
Die HDD-Spülbohrung nahm insgesamt 3 Arbeitstage in Anspruch und lief besser als zu erwarten war. Der OOWV war sehr zufrieden mit der Ausführung und wird nach der Anbindung die Leitung so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen.

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